Deutschland verstehen


Leben im Ausland

Leben und arbeiten in einem fremden Land kann ungewohnte Situationen hervorrufen, die die auswandernde Person zu allen Zeiten des Auslandsaufenthaltes, doch verstärkt zu Beginn, vor Schwierigkeiten stellen können. Diese ergeben sich erfahrungsgemäß in unterschiedlichen persönlichen Kontaktsituationen, sei es auf beruflicher Ebene mit den neuen Kolleginnen und Kollegen, bei Behördengängen oder in der Freizeit. In diesen Handlungsfeldern auftretende Probleme können interkulturell bedingt sein und dazu führen, dass kulturelle Unterschiede auf eine persönliche Ebene übertragen und als beleidigend oder gar diskriminierend fehlinterpretiert werden. Solche Erlebnisse werden im Allgemeinen als „Kulturschock“ bezeichnet. Viele dieser, den Auslandsaufenthalt erschwerende, Situationen können jedoch im Vorfeld durch eine intensive Auseinandersetzung mit den kulturellen Gepflogenheiten des Gastlandes ausgeräumt oder zumindest abgefedert werden.

Typischer Ablauf bei Auslandsaufenthalten

Die in der Folge dargestellten Phasen können während eines Auslandsaufenthalts durchlebt werden.

Erste Phase

In der Phase vor der Ausreise ins Zielland herrscht häufig eine gewisse Unsicherheit vor dem Unbekannten, jedoch überwiegt meist die Vorfreude auf die neue Lebenssituation. Analog dazu ist die Anfangsphase in dem neuen Land in der Regel vornehmlich positiv geprägt: Es gibt viel zu erledigen und zu entdecken, Unterschiede zur Heimat werden fasziniert wahrgenommen. Dieser ersten Euphorie-Phase, auch „Honeymoon-Phase“ genannt, folgt häufig eine etwas schwierigere Periode. Diese oft auch als „Kulturschock“ bezeichnete Phase, wird oft durch erste Hindernisse in dem neuen Land ausgelöst, wie z.B. Anpassungsschwierigkeiten an kulturelle Gepflogenheiten, fehlende soziale Kontakte oder sprachliche Barrieren. Eine typische Reaktion in dieser Phase ist eine verstärkte Hinwendung zu Menschen aus dem eigenen Kulturkreis, im schlimmsten Fall wird der Auslandsaufenthalt vorzeitig abgebrochen. Ein Kulturschock kann durch eine fundierte Auseinandersetzung mit den Besonderheiten des Ziellands oder den Besuch eines interkulturellen Trainings vermieden oder zumindest abgemildert werden.


Zweite Phase

Nach der Überwindung der ersten schwereren Phase und einer gewissen Eingewöhnungszeit lernt man sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden und die oft noch fremden Besonderheiten im Gastland wertfreier mit denen des Heimatlandes zu vergleichen.


Dritte Phase

Vor der Rückreise ins Heimatland überwiegt in der Regel eine gewisse Vorfreude auf zu Hause. Diese positive Erwartungshaltung kann durch einen „Kulturschock“ in der Heimat gedämpft werden, ausgelöst dadurch, dass die Verinnerlichung der Gewohnheiten des Gastlandes manchmal erst wieder eine Anpassung an die alte Heimat erfordert. Zudem haben die Menschen zu Hause nicht unbedingt dieselbe interkulturelle Erfahrung gemacht und können mit Unverständnis oder Desinteresse reagieren. Die Zuwendung zu Personen mit ähnlicher interkultureller Erfahrung kann in solch einem Fall den Neustart in der alten Heimat erleichtern.



Interkulturelles Training

Das Welcome Centre bietet jedes Semester ein Interkulturelles Training mit Fokus auf Deutschland und seiner Kultur an. In diesem Rahmen kommen für einen Deutschland-Aufenthalt relevante Themen zur Sprache, wie z.B. der richtige Umgang mit hierarchischen Strukturen, professionelle und private Kontaktaufnahme, Freizeitgestaltung oder auch berufliches und privates Zeitmanagement. Unsere Trainer arbeiten seit vielen Jahren mit verschiedenen Universitäten und namhaften Unternehmen zusammen und bedienen sich in ihren interkulturellen Kursen unterschiedlicher Medien, wie z.B. Filmen und verschiedener Arbeitsmethoden, z.B. Gruppenarbeit, um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Zugang zu Deutschland, seinen Bewohnern und ihren Gewohnheiten zu erleichtern.


Typisch Deutsch?!

Die Dos und Don'ts des Berufslebens

Familie und Freunde

Die Studie "Konsumanalyse 2010" zeigte vor kurzem, dass Deutsche im Allgemeinen als sehr sozial angesehen werden - im Gegensatz zu allen Klischees, sie seien reserviert und hätten keinen Sinn für Humor. Leistung und Erfolg im Beruf sind für die meisten Deutschen besonders wichtig, wie auch ihre Freizeit, die sie am liebsten mit Freunden und Familie verbringen. Außerdem mögen Deutsche Bier!

Obwohl man nicht von "den Deutschen" als homogene Gruppe mit gleichen Eigenschaften sprechen kann, möchten wir einige spezielle "Besonderheiten" erwähnen:

Pünktlichkeit

Im Berufsleben legen Deutsche besonderen Wert darauf, korrekt und pünktlich zu sein. Daher ist es hilfreich, sich bei Meetings und Präsentationen an die vereinbarte Zeit zu halten. Das trifft auch auf private Verabredungen zu. Falls Sie einen Termin nicht einhalten können oder sich verspäten werden, ist es ratsam, rechtzeitig durch einen Kollegen oder telefonisch Bescheid zu sagen.


Begrüßungen

Beim Begrüßen oder Verabschieden ist es üblich sich die Hände zu schütteln und sich dabei anzusehen. Es wäre unhöflich, keinen Augenkontakt herzustellen - das trifft auch bei einem direkten Gespräch mit jemandem zu. Umarmungen sind nur unter engen Freunden üblich.


Formalität

Wenn Sie jemanden nicht gut kennen (vor allem ältere Kollegen und Vorgesetzte), sollten Sie nicht das „Du“ als Anrede benutzen, es sei denn, es wurde Ihnen angeboten. Sie sollten andere Personen siezen. Aber an Instituten werden normalerweise Titel bei der Anrede weggelassen, und Duzen hat sich gerade unter jungen Leuten etabliert. Falls Sie unsicher sind, ist es am besten zu warten, bis der- oder diejenige sich vorgestellt hat, um dann die passende Form zu benutzen.


Kommunikation

Es wird über Deutsche gesagt, dass sie sehr direkt im Umgang mit anderen sind. Das ist wahr. Deutsche tendieren dazu, sehr schnell auf den Punkt zu kommen und ergebnisorientiert zu arbeiten und zu kommunizieren.


Beim Thema bleiben

Da sie mehr auf Fakten konzentriert sind, tendieren Deutsche dazu, Präsentationen zu halten, die sehr spezifisch sind und auf Zahlen und Hintergrundfakten basieren. Daher sollten Sie sich bei Ihrer eigenen Präsentation ebenfalls bewusst sein und diese entsprechend gestalten. Der Ton in Meetings kann manchmal recht brüsk sein. Grund hierfür ist normalerweise eine engagierte Debatte oder Diskussion. Dies mag manchmal einen unfreundlichen Eindruck machen; aus deutscher Sicht ist das aber nur Mittel zum Zweck und hat nichts mit persönlicher Wertschätzung zu tun. Sie werden sehen, dass ein möglicherweise strenger Ton am Ende eines Meetings schnell wieder zu einem normalen Ton zurückkehrt. Seien Sie nicht verwirrt, falls Sie für Ihre Arbeit kein positives Feedback oder Lob erhalten. Solange niemand etwas sagt, können Sie davon ausgehen, dass alles in Ordnung ist....


Hierarchien

Es gibt eine klare Trennung zwischen verschiedenen Hierarchie-Ebenen. Es ist immer ratsam, sich dem Status der Personen bewusst zu sein, mit denen Sie arbeiten und die individuellen Ebenen in Arbeitsbeziehungen nicht zu übergehen. Allerdings gibt es keine Diskriminierung in den hierarchischen Ebenen zwischen Männern und Frauen. Frauen haben gleiche Rechte und arbeiten in hohen Positionen - wenn auch wesentlich seltener als Männer. In Familien ist es weit verbreitet, dass beide Elternteile arbeiten. Immer mehr Männer nehmen Auszeiten, um ihre Kinder großzuziehen, während ihre Frau arbeitet. Die Anweisungen einer Frau müssen befolgt und umgesetzt werden wie die eines männlichen Kollegen. Ein gemeinsames Vorgehen von Männern und Frauen ist nicht ungewöhnlich und sollte daher nicht in irgendeiner Weise interpretiert werden.


"Fehler"

Auch außerhalb des Arbeitsumfeldes kann es vorkommen, dass Sie jemand auf angebliche "Fehler" hinweist, beispielsweise wenn jemand in seiner Wohnung zu laut ist, falsch geparkt hat oder sich auf einen reservierten Platz gesetzt hat. Nehmen Sie es demjenigen nicht übel (es ist für uns alle eine Lernkurve...) und fragen Sie einen Mitarbeiter des International Office, wie mit so einer Situation umzugehen ist - oder falls Ihnen etwas merkwürdig vorkommt oder Sie sich über etwas unsicher sind.


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Interne Fortbildung und Beratung (IFB)

Die Stabstelle Interne Fortbildung und Beratung bietet für alle Beschäftigten der RUB ein sehr breites Spektrum an Veranstaltungen an. In dem Programm finden Sie auch einige Fortbildungen mit interkulturellem Bezug.

Interne Fortbildung und Beratung (IFB)

Literatur

Es gibt viele Möglichkeiten, sich kulturell schon vor der Abreise auf einen Aufenthalt in Deutschland vorzubereiten. Eine Möglichkeit ist, sich entsprechende Veröffentlichungen zu besorgen. Eine Liste mit interessanten Büchern und Internetseiten finden Sie hier:

Literaturtipps Deutsche Kultur   (178.9 kB)

Trainerin

Weitere Informationen zu unserer Interkulturellen Trainerin finden sie hier:

Dr. Iris Wangermann

Ansprechpartnerinnen

Sebastian Horst



Pamela Domke


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